Koenigsegg Jesko
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Jesko

Koenigsegg Jesko: Der 300-mph-Serienfahrzeug

Benannt nach dem Vater von Christian von Koenigsegg — Jesko von Koenigsegg, dem Mann, der die ersten automobilen Ambitionen seines Sohnes in den 1990er Jahren finanzierte — ist der Koenigsegg Jesko das technisch ehrgeizigste Fahrzeug, das das schwedische Unternehmen jemals produziert hat. Auf dem Genfer Autosalon 2019 präsentiert, vereint er drei revolutionäre Systeme: eine neue Motorarchitektur, ein Getriebe ohne Vorbild in der Serienfahrzeuggeschichte und ein aerodynamisches Paket, das mehr Abtrieb erzeugt als jedes Serienfahrzeug vor ihm. Von den 125 zu bauenden Fahrzeugen, jedes zu einem Preis von rund 3 Millionen Euro, war innerhalb von Stunden nach der Vorstellung alles ausverkauft.

Der Jesko ist in zwei grundlegend verschiedenen Spezifikationen erhältlich — dem Standard-Jesko und dem Jesko Absolut —, die innerhalb derselben Plattform völlig unterschiedliche Philosophien vertreten. Um zu verstehen, warum Koenigsegg gleichzeitig zwei Versionen baute, muss man verstehen, wozu jede jeweils konstruiert wurde.

Der Name: Eine Ehrerbietung an den Mann hinter der Vision

Jesko von Koenigsegg war ein Industrieller und Geschäftsmann, der in der Entschlossenheit seines Sohnes etwas Außergewöhnliches erkannte. Als Christian von Koenigsegg im Alter von 22 Jahren ankündigte, er werde einen weltklassefähigen Supersportwagen von Grund auf in Schweden bauen, hielten die meisten Menschen dies für einen unmöglichen Traum. Jesko nicht. Er stellte die erste finanzielle Unterstützung bereit, die es dem Unternehmen ermöglichte, seine ersten Schritte zu unternehmen, und blieb in den folgenden Jahrzehnten eine prägende Größe im Unternehmen.

Die extremste Schöpfung des Unternehmens nach seinem Vater zu benennen, war Christians persönlichstes Statement. Alle früheren Koenigseggs — der CC8S, der CCR, der Agera, der One:1, der Regera — trugen entweder ein schwedisches Wort oder eine beschreibende Bezeichnung. Der Jesko ist der erste, der nach einer Person benannt ist, und seine Bedeutung ist niemandem verborgen, der mit der Geschichte des Unternehmens vertraut ist.

Der Motor: Der stärkste Serienmotor mit Verbrennungsantrieb

Der Jesko verwendet Koenigseggs 5,0-Liter-Biturbo-V8 in seiner bislang extremsten Konfiguration.

Standardkraftstoff (E85): Auf E85-Ethanol-Kraftstoff produziert der Motor 1.600 PS bei 8.500 U/min und 1.500 Nm Drehmoment — Werte, die ihn zum stärksten Verbrennungsmotor machen, der zum Zeitpunkt der Ankündigung je in ein Serienstraßenfahrzeug eingebaut wurde.

Normalkraftstoff (98 ROZ): Auf herkömmlichem 98-Oktan-Kraftstoff leistet der Motor 1.280 PS — immer noch mehr als nahezu alle Straßenfahrzeuge, die es gibt. Der Unterschied wird automatisch vom Motormanagement geregelt, das die Kraftstoffqualität über Sensoren erkennt und den Ladedruck entsprechend anpasst.

Die 180°-Flachbankwelle: Der Motor verwendet eine Flachbankwelle — für hochdrehende V8 nicht ungewöhnlich (Ferrari nutzt sie seit Jahrzehnten) —, aber die Umsetzung beim Jesko geht mit einer hohlen Kurbelwelle aus hochfestem Luftfahrtstahl noch weiter. Die Hohlbauweise spart mehrere Kilogramm von einem sich drehenden Bauteil im Zentrum des Motors, reduziert direkt die innere Massenträgheit und verbessert das Ansprechen auf Gaseingaben.

Neue Zylinderköpfe: Die Zylinderköpfe des Jesko wurden gegenüber denen des Agera RS überarbeitet, mit geänderten Kanalgeometrien und größeren Ventilen zur Verbesserung des Durchflusses bei hohen Drehzahlen. Ansaug- und Abgassysteme wurden auf die neuen Köpfe abgestimmt, sodass der Motor oberhalb von 7.000 U/min, wo die Spitzenleistung erzeugt wird, freier atmen kann.

Der 9.000-U/min-Drehzahlbegrenzer: Der Motor des Jesko dreht bis auf 9.000 U/min — 200 U/min mehr als der Agera RS. Bei diesen Drehzahlen liefert die Flachbankwelle ihren charakteristischen scharfen, hochfrequenten Auspuffklang anstelle des tiefen Grummels amerikanischer Kreuzbankkurbel-V8. In Kombination mit dem aktiven Abgassystem des Jesko beschreiben Fahrer den Klang als den intensivsten aller Koenigsegg-Fahrzeuge.

Das LightSpeed-Getriebe: Das Schaltgetriebe neu erfunden

Das Getriebe des Jesko ist eine der bedeutendsten mechanischen Innovationen in der Geschichte der Serienfahrzeuge. Koenigsegg nennt es LightSpeed Transmission (LST) — ein Name, der gewählt wurde, weil seine Schaltgeschwindigkeit nur durch die Lichtgeschwindigkeit begrenzt wird, die die elektronischen Steuersignale durchlaufen.

Die Architektur: Anders als ein konventionelles Doppelkupplungsgetriebe — das zwei Eingangswellen mit je einer eigenen Kupplung verwendet und den nächsten Gang vorwählt, während der aktuelle eingelegt ist — verwendet das LST sieben Kupplungen und neun Vorwärtsgänge. Die sieben Kupplungen sind nicht sequenziell; sie erlauben dem Getriebe, von einem beliebigen Gang direkt in einen anderen zu schalten, ohne die dazwischenliegenden Gänge zu durchlaufen.

Warum das bedeutsam ist: In einem konventionellen Doppelkupplungsgetriebe muss das System, wenn man sich im 3. Gang befindet und den 6. benötigt, drei sequenzielle Schaltungen ausführen (3.→4.→5.→6.) und dabei kurz zwei unerwünschte Gänge passieren. Im LST kann das Steuergerät direkt die Kupplung des 6. Gangs einrücken, während es gleichzeitig den 3. Gang ausrückt, und die Zwischenschritte komplett überspringen. Das Ergebnis ist, dass die Zeit für eine Schaltung vom 1. in den 9. Gang identisch ist mit der Zeit für eine Schaltung vom 1. in den 2. — rund 0,2 Millisekunden Signalübertragungszeit.

Praktische Auswirkung: Das LST ermöglicht es der Fahrzeugelektronik, für jede Geschwindigkeit oder Fahrsituation instantan den optimalen Gang zu wählen. Bei starker Beschleunigung aus dem Stand wählt es den Gang mit der besten Drehmomentverstärkung. Mit zunehmender Geschwindigkeit überspringt es mehrere Gangstufen in rascher Folge, ohne die Drehmomntunterbrechung, die konventionelle Getriebe bei mehrstufigen Wechseln zeigen. Das Fahrerlebnis wird als kontinuierlicher Schub beschrieben, statt als eine Reihe einzelner Schaltereignisse.

Gewicht: Trotz seiner Komplexität wiegt das LST nur 90 kg — leichter als viele Doppelkupplungsaggregate vergleichbarer Drehmomentenkapazität, erreicht durch umfangreichen Einsatz von gefrästen Aluminiumkomponenten und Hohlwellen.

Aktive Aerodynamik: Der meiste Abtrieb eines Serienfahrzeugs

Der Jesko Absolut ist auf Höchstgeschwindigkeit ausgelegt — konkret darauf, auf einer geeigneten Rennstrecke 530 km/h zu überschreiten. Der Standard-Jesko ist auf maximalen Abtrieb ausgelegt. Die aerodynamischen Pakete, die diese entgegengesetzten Ziele erreichen, teilen eine gemeinsame Architektur, sind aber in grundlegend verschiedene Richtungen abgestimmt.

Abtrieb des Standard-Jesko: Bei 250 km/h erzeugt der Standard-Jesko 1.000 kg Abtrieb — mehr als jedes Serienfahrzeug bei dieser Geschwindigkeit. Dieser Wert ist das Ergebnis eines großen aktiven Heckflügels, eines aktiven Frontsplitters, Venturi-Tunnels im Unterboden und seitlicher Kanäle, die als koordiniertes System zusammenwirken.

Der Heckflügel: Der Heckflügel des Jesko ist auf einem einzelnen zentralen Pylon montiert und überspannt die volle Fahrzeugbreite. Sein aktiver Mechanismus erlaubt ihm, während der Fahrt kontinuierlich durch einen Bereich von Anstellwinkeln zu schwenken, in Kurven den Abtrieb zu maximieren und auf Geraden den Widerstand zu reduzieren. Beim starken Bremsen richtet er sich nahezu senkrecht auf und ergänzt die mechanischen Bremsen durch aerodynamischen Widerstand — auf dieselbe Weise wie der Agera RS.

Aerodynamik des Jesko Absolut: Der Absolut verwendet eine vollständig andere aerodynamische Spezifikation, mit kleinerem Heckflügel, überarbeitetem Frontsplitter und modifiziertem Unterboden — optimiert zur Minimierung des Widerstands auf Kosten des Abtriebs. Koenigsegg behauptet einen Luftwiderstandsbeiwert von cW 0,278 für den Absolut, niedriger als bei vielen Sportwagen und ohne Einbußen bei der Hochgeschwindigkeitsstabilität dank aktiver Regelung der verbleibenden aerodynamischen Flächen.

Der aktive Frontsplitter: Beide Versionen verfügen über einen aktiven Frontsplitter, der seine Ausdehnung und seinen Winkel basierend auf Geschwindigkeit, Lenkeinschlag und Bremsung anpasst. Bei niedriger Geschwindigkeit fährt er ein, um die Bodenfreiheit über Bordsteinkanten zu verbessern. Bei hoher Geschwindigkeit fährt er aus, um den Frontabtrieb zu maximieren und die aerodynamische Balance mit der Hinterachse zu erhalten.

Triplex-Fahrwerk mit hydraulischen Hebefedern

Das Triplex-Fahrwerk-Konzept, das erstmals im Agera RS eingeführt wurde — ein dritter Stoßdämpfer, der die beiden Hinterräder verbindet, um gleichzeitige Einfederung (Heave) zu widerstehen, ohne das unabhängige Einfedern der Räder zu beeinflussen —, wird im Jesko mit einer bedeutenden Zusatzinnovation weiterentwickelt.

Hydraulische Hebefedern: Anstelle der konventionellen Schraubenfedern des Triplex-Systems des Agera RS verwendet der Jesko hydraulische Hebefedern an beiden Achsen. Diese hydraulischen Federn sind über einen kreuzgekoppelten Hydraulikkreis verbunden, was bedeutet, dass beim Einfedern einer Ecke Hydraulikflüssigkeit kontrolliert zu den anderen Ecken umgeleitet wird.

Der Vorteil hydraulischer Hebefedern gegenüber konventionellen Schraubenfedern in dieser Anwendung liegt in der Progressivität: Die Steifigkeit des hydraulischen Systems nimmt nichtlinear zu, wenn das Fahrwerk einfedert, und bietet ein weiches Ansprechen auf Fahrbahnunebenheiten, das sich unter den extremen Lasten des hochabtriebreichen Kurvenschneidens progressiv verhärtet. Dies erlaubt dem Jesko, über Unebenheiten komfortabel zu wirken, während er der aerodynamischen Last mit zunehmender Kraft widersteht — eine Kombination, die mechanische Federn nicht so effektiv erreichen können.

Der Jesko Absolut: Jagd auf 530 km/h

Der Jesko Absolut wurde parallel zum Standard-Jesko mit einem spezifischen Ziel angekündigt: dem Bugatti Chiron Super Sport 300+, der 2019 mit 489 km/h in einem teilweise gesperrten Rekordlauf gemessen wurde, den Produktionsfahrzeug-Höchstgeschwindigkeitsrekord zu entreißen.

Die Aussage: Koenigsegg gibt an, dass der Jesko Absolut 530 km/h erreichen kann, basierend auf aerodynamischen Widerstandsberechnungen, Motorleistungsoutput und Modellierungen der Antriebsstrangeffizienz. Die Zahl wurde noch nicht durch einen offiziellen unabhängigen Geschwindigkeitsrekordversuch verifiziert, der eine geeignete, mindestens 30 km lange Gerade bei geeigneten Wetterbedingungen erfordert — eine logistische Herausforderung, die kein Hersteller bislang leicht gelöst hat.

Die Begründung: Die Kombination aus 1.600 PS auf E85, einem cW-Wert von 0,278 und der Fähigkeit des LST, bei jeder Geschwindigkeit den optimalen Gang zu wählen, ergibt eine theoretische Höchstgeschwindigkeit, von der Koenigseggs Ingenieure überzeugt sind. Das Unternehmen hat erklärt, dass ein offizieller Rekordversuch unternommen wird, sobald geeignete Bedingungen und ein geeigneter Ort gefunden wurden.

Das Interieur: Funktion und Luxus

Das Cockpit des Jesko repräsentiert Koenigseggs Weiterentwicklung hin zu einem gediegener wirkenden Innenraum, ohne dabei die Gewichtsdisziplin aufzugeben, die die Ingenieursphilosophie des Unternehmens prägt.

Das Herzstück ist ein digitales Instrumentencluster, das die volle Breite des Fahrersichtfelds überspannt — nicht ein einzelner Bildschirm hinter dem Lenkrad, sondern ein gebogenes Display, das Geschwindigkeit, Motordaten, Getriebestatus, aktive Aeroposition und Navigationsinformationen in einem integrierten Layout präsentiert. Das Lenkrad ist eine flachunterseite, paddelbestückte Einheit mit Bedienelementen für den LST-Modus (automatische oder manuelle Gangwahl), Fahrmodusauswahl und aktive Aerodynamikposition.

Der Mitteltunnel: Das Cockpit des Jesko weist einen markant erhöhten Mitteltunnel auf — eine Folge der Unterbringung des LST zwischen den Sitzen. Anstatt diese strukturelle Realität zu verbergen, machten Koenigseggs Designer den Tunnel zu einem visuellen Gestaltungselement und verkleideten ihn mit sichtbarer Kohlenstofffaser mit ins Carbonwerk eingelassenen Aluminiumschaltern.

Produktion: 125 Jeskos insgesamt — 100 Standard und 25 Absolut —, jedes vollständig im Koenigsegg-Werk in Ängelholm gefertigt und mit mehreren Monaten Montagezeit. Jedes Auto wird individuell in Auftrag gegeben, wobei die Käufer Außenfarbe (aus einer kundenspezifischen Palette oder nach Sonderwünschen), Innenraummaterialien, Radfinish und zahlreiche mechanische Optionen festlegen.

Der Jesko repräsentiert den vollständigsten Ausdruck von 25 Jahren gesammeltem Koenigsegg-Ingenieursswissen: ein Fahrzeug, das gleichzeitig schneller, aerodynamisch raffinierter, technologisch weiter fortgeschritten in seinem Getriebe und verfeinerter in seinem Interieur ist als jedes Koenigsegg zuvor — und passenderweise nach dem Mann benannt, der all das erst möglich gemacht hat.