Bugatti Veyron Super Sport
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Veyron Super Sport

Bugatti Veyron 16.4 Super Sport: Die Krone zurückerobern

Als die Volkswagen Group die Marke Bugatti im Jahr 2005 mit dem Veyron 16.4 wiedergeboren hat, war das ein technisches Meisterwerk, das die Maßstäbe der Automobilwelt grundlegend verschob. Mit 1.001 PS und einer verifizierten Höchstgeschwindigkeit von 407 km/h (253 mph) war er der unbestrittene König in Sachen Geschwindigkeit, Luxus und Exzess.

Im Jahr 2007 jedoch fuhr ein kleiner amerikanischer Hersteller namens SSC (Shelby SuperCars) mit einem stark modifizierten, twin-turboaufgeladenen V8-Supercar namens Ultimate Aero TT auf eine gesperrte Autobahn im Bundesstaat Washington und erzielte einen Zwei-Wege-Durchschnitt von 412 km/h (256,14 mph). Der Veyron war vom Thron gestoßen worden.

Ferdinand Piëch, der brillante und berüchtigt kompromisslose Vorstandsvorsitzende der VW Group, tolerierte den zweiten Platz nicht. Er schickte Bugattis Ingenieure zurück an den Reißbrett. Ihre Mission war einfach: Baue einen Veyron, der den SSC-Rekord absolut vernichtend schlägt und Bugatti als unangefochtene Spitze automobiler Leistung sichert.

Das Ergebnis war der Bugatti Veyron 16.4 Super Sport. Im Jahr 2010 vorgestellt, war er nicht einfach ein Veyron mit erhöhtem Ladedruck, sondern eine umfassende Neuentwicklung der Aerodynamik, des Fahrgestells und des monumentalen W16-Motors.

Das Herz: 1.200 PS W16

Das Kernstück des Veyron Super Sport ist der legendäre 8,0-Liter (7.993 cc) Vierfach-Turbo-W16-Motor. Um zusätzliche 199 PS gegenüber dem Standard-Veyron zu gewinnen, konnte Bugatti sich nicht auf simples ECU-Tuning verlassen.

Die physische Hardware des Motors musste aufgerüstet werden, um deutlich mehr Luft zu fördern und enorm höheren Innendrücken standzuhalten.

  • Größere Turbolader: Die vier Turbolader wurden erheblich vergrößert, um massive Mengen an komprimierter Luft in die Zylinder zu drücken.
  • Größere Ladeluftkühler: Um die dichtere Ladeluft zu kühlen, wurden die Luft-Flüssigkeits-Ladeluftkühler aufgerüstet.
  • Abgasanlage: Die Abgasanlage wurde für geringeren Gegendruck neu gestaltet und mündet in einem massiven, zentralen Doppelrohr-Setup statt des einzelnen großen Rechtecks des Standard-Veyrons.

Das Ergebnis war ein atemberaubendes 1.200 PS bei 6.400 U/min und ein tektonisches 1.500 Nm Drehmoment, verfügbar von 3.000 bis 5.000 U/min.

Diese immense Leistung wird über ein verstärktes 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) von Ricardo geleitet, das trotz Drehmomentwerten, die ein konventionelles Getriebe zerstören würden, in 150 Millisekunden schaltet. Die Kraft wird über ein hochsophistiziertes Haldex-Allradsystem auf alle vier Räder übertragen.

Aerodynamik: Den Wind bei 430 km/h überlisten

200 PS hinzuzufügen ist nur die halbe Miete beim Versuch, 430 km/h zu brechen. Bei solchen Geschwindigkeiten steigt der aerodynamische Widerstand exponentiell (quadratisch). Ein zwei Tonnen schweres Hypercar durch die Luft mit über 400 km/h zu schieben, erfordert ein aerodynamisches Profil, das eher einer Tränenform ähnelt als einem traditionellen Sportwagen.

Bugattis Ingenieure konzentrierten sich intensiv darauf, den Luftwiderstand zu reduzieren und die Kühleffizienz zu steigern. Die optischen Unterschiede zwischen einem Standard-Veyron und einem Super Sport sind markant:

  • Die Dacheinlässe: Die markanteste Änderung war der Wegfall der zwei massiven, freiliegenden Lufthutzen, die beim Standardmodell über dem Motor saßen. An ihrer Stelle besitzt der Super Sport eine glatte Dachlinie mit zwei direkt in das Carbon eingelassenen NACA-Kanälen. Diese Kanäle leiten Luft wesentlich effizienter in den Motor bei deutlich geringerem Luftwiderstand.
  • Die Frontschürze: Der vordere Stoßfänger wurde mit massiven, erweiterten Lufteinlässen neu gestaltet, um die zahlreichen Kühler des 1.200 PS starken W16 zu versorgen.
  • Der hintere Diffusor: Das Heck des Fahrzeugs verfügt über ein vollständig neu gestaltetes Doppeldiffusor-System zur Steuerung des Luftstroms unter dem Fahrzeug und zur Steigerung der Hochgeschwindigkeitsstabilität.
  • Der aktive Heckflügel: Der massive Heckflügel, der auch als Luftbremse fungiert, wurde neu programmiert und fährt in verschiedenen Winkeln aus, um Abtrieb und Widerstand je nach Fahrzeuggeschwindigkeit perfekt auszubalancieren.

Fahrwerk und Michelin PAX-Reifen

Um sicherzustellen, dass der Super Sport nicht nur in gerader Linie schnell ist, wurde das Fahrwerk umfassend überarbeitet. Die Federraten wurden leicht erhöht, die Stabilisatoren verstärkt und die komplexen aktiven Stoßdämpfer anhand der Rennautos aus den Motorsportabteilungen der VW Group neu kalibriert. Das Ergebnis war ein Fahrzeug, das sich deutlich schärfer und stabiler anfühlte als der Standard-Veyron und bis zu 1,4 G Querbeschleunigung erreichen konnte.

Die unbesungenen Helden des Super Sport sind die Reifen. Bugatti arbeitete exklusiv mit Michelin zusammen, um eine maßgeschneiderte Version des Pilot Sport PAX-Reifens zu entwickeln. Diese massiven Reifen (265er vorne, 365er hinten) sind speziell darauf ausgelegt, den enormen Zentrifugalkräften bei 430 km/h standzuhalten. Bei Höchstgeschwindigkeit würden die Reifen in etwa 15 Minuten vollständig zerstört sein. Glücklicherweise ist der 100-Liter-Tank des Veyron bei V-Max in nur 12 Minuten leer.

Der Rekordlauf: 431,072 km/h

Am 4. Juli 2010, auf dem riesigen Ehra-Lessien-Testgelände der Volkswagen Group in Deutschland (mit einer schnurgeraden 8,7 Kilometer langen Geraden), bestieg Bugattis offizieller Testfahrer Pierre-Henri Raphanel den schwarz-orangen Super Sport der „World Record Edition”.

Um den offiziellen Guinness-Weltrekord zu beanspruchen, muss ein Fahrzeug zwei Läufe in entgegengesetzten Richtungen (zur Windkompensation) innerhalb einer Stunde absolvieren.

  • Lauf 1: Raphanel erreichte 427,933 km/h (265,905 mph).
  • Lauf 2: Mit Rückenwind trieb er den Veyron auf atemberaubende 434,211 km/h (269,806 mph).

Die Durchschnittsgeschwindigkeit von 431,072 km/h (267,856 mph) machte den Bugatti Veyron Super Sport offiziell zum schnellsten Serienauto der Welt – ein Rekord, den er sieben Jahre lang hielt, bis der Koenigsegg Agera RS ihn 2017 brach.

Vermächtnis und Wert

Bugatti baute lediglich 30 Kundenfahrzeuge des Veyron Super Sport. Die ersten fünf waren die „World Record Edition”-Fahrzeuge, im ikonischen freiliegenden schwarzen Kohlefaser-Finish mit leuchtend oranger Livree und ungeregeltem Zugang zur vollen Höchstgeschwindigkeit von 431 km/h. Die verbleibenden 25 Fahrzeuge wurden elektronisch auf „bescheidene” 415 km/h (258 mph) begrenzt, um die Reifen zu schonen.

Der Bugatti Veyron Super Sport ist nicht einfach ein Auto; er ist ein Denkmal menschlichen Ingenieurskunst. Er bewies, dass mit ausreichenden Ressourcen und unermüdlicher Entschlossenheit die Gesetze der Physik so gebeugt werden können, dass ein luxuriöser Grand Tourer entsteht, der auf einer ausreichend langen Geraden Formel-1-Autos überholen kann. Er ist der ultimative Ausdruck von Ferdinand Piëchs megalomanischer Vision.