Bugatti La Voiture Noire
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La Voiture Noire

Bugatti La Voiture Noire: Automobile Haute Couture

Am Genfer Automobil-Salon 2019 enthüllte Bugatti zum 110. Firmenjubiläum ein Einzelstück: La Voiture Noire – elf Millionen Euro, null weitere geplante Exemplare, vollständig vergeben noch vor der Enthüllung. Der Name ist keine Marketingerfindung, sondern die Wiedergeburt einer echten Geschichte.

Mit einem Vorsteuerpreis von 11 Millionen Euro beanspruchte es sofort den Titel des teuersten je verkauften Neuwagens – ein Rekord, den es bis zur Ankunft des Rolls-Royce Boat Tail hielt. Aber sich ausschließlich auf den Preis zu konzentrieren, bedeutet, den Zweck der Maschine zu missverstehen.

Die Inspiration: Der verlorene Atlantic

Die Geschichte von La Voiture Noire beginnt in den 1930er Jahren mit Jean Bugatti, dem brillanten Sohn des Unternehmensgründers Ettore Bugatti. Jean entwarf den legendären Type 57 SC Atlantic, der allgemein als eines der schönsten jemals geschaffenen Automobile gilt. Nur vier wurden gebaut.

Der zweite dieser vier Atlantics (Fahrgestell-Nr. 57453) war Jean Bugattis persönliches Auto. Es war vollständig schwarz lackiert und liebevoll als La Voiture Noire bekannt. Dieses spezifische Auto wurde häufig von Bugatti-Werksfahrern für Rennen und von Jean selbst für den täglichen Einsatz genutzt. Als jedoch der Zweite Weltkrieg ausbrach und die Bugatti-Fabrik nach Bordeaux evakuiert wurde, wurde das Auto auf einen Zug geladen, um der vorrückenden deutschen Armee zu entkommen.

Es kam nie an.

Das ursprüngliche La Voiture Noire verschwand spurlos und wurde zum ultimativen automobilen Rätsel – dem Heiligen Gral der Klassiker. Heute, wenn es je gefunden würde, schätzen Experten seinen Wert auf über 100 Millionen Dollar.

Das moderne La Voiture Noire ist Bugattis Versuch, dieses verlorene Meisterwerk spirituell für das 21. Jahrhundert wiederzubeleben.

Design: Skulptur mit Kohlenstofffasern

Entworfen von Bugattis damaligem Designdirektor Etienne Salomé, ist das moderne La Voiture Noire ab den A-Säulen nach hinten vollständig maßgefertigt. Das Ziel war ein völlig nahtloses Design, eine einheitliche, fließende Form, die nicht durch aggressive aerodynamische Anbauten unterbrochen wird.

Im Gegensatz zum Chiron oder dem Divo fehlt La Voiture Noire die ausgeprägte „C-Linie”, die sich um die Türen schwingt. Stattdessen ist das Profil lang und elegant und verlängert den Radstand optisch. Die gesamte Karosserie besteht aus freiliegendem Carbon mit einem tiefen, glänzenden „Black Carbon”-Klarlack. Das Gewebe des Carbons ist über jedes Panel hinweg perfekt ausgerichtet – ein unglaublich schwieriger und zeitaufwendiger Prozess.

Mehrere Designelemente referenzieren ausdrücklich den ursprünglichen Type 57 SC Atlantic:

  • Die Dorsalnaht: Das ikonischste Merkmal des Atlantic war seine vernietete Dorsalnaht entlang der Länge des Autos (ursprünglich erforderlich durch die Verwendung von Elektron-Legierung, die nicht geschweißt werden konnte). Das moderne Auto repliziert dies mit einer prominenten Mittelgrat-Linie, die an der Motorhaube beginnt, über die Windschutzscheibe und das Dach verläuft und sich bis zum Heck fortsetzt.
  • Die sechs Abgasrohre: Das Heck von La Voiture Noire wird von einem aufwändigen, vollbreiten LED-Rückleuchtenstreifen dominiert, der die massive Breite des Autos unterstreicht. Darunter sitzt ein völlig einzigartiger, aggressiv gestalteter Diffusor mit sechs einzelnen Abgasrohren – eine direkte Hommage an den Atlantic.
  • Die verlängerte Nase: Die Front wurde im Vergleich zum Chiron verlängert und verleiht ihm mehr Grand-Touring-Proportionen. Der charakteristische Bugatti-Hufeisen-Kühlergrill ist größer und ausgeprägter, flankiert von aufwändigen LED-Scheinwerfern mit 25 einzeln gefrästen Elementen auf jeder Seite.

Die Felgen sind ebenfalls maßgefertigt und verfügen über ein komplexes Mehrspeichen-Design, das nahtlos in die Reifen selbst übergeht und die Felgen noch größer erscheinen lässt, als sie sind.

Das Engineering: Das W16-Ungetüm

Unter der atemberaubenden Carbonkarosserie liegt das herrliche Engineering der Bugatti-Chiron-Plattform. Das bedeutet, La Voiture Noire wird von demselben legendären 8,0-Liter-Quad-Turbo-W16-Motor angetrieben.

In dieser Iteration produziert der W16 erschütternde 1.500 PS und 1.600 Nm Drehmoment. Diese immense Leistung wird durch ein Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe an ein ausgefeiltes Haldex-Allradantriebssystem geleitet.

Obwohl Bugatti La Voiture Noire nie offiziell für Höchstgeschwindigkeitsläufe testete (da es ein Einzelstück-Grand-Tourer ist, keine Rennstrecken-Waffe oder Höchstgeschwindigkeitsrekord-Jäger wie der Super Sport 300+), ist die zugrundeliegende Hardware in der Lage, in 2,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen und eine elektronisch auf 420 km/h begrenzte Höchstgeschwindigkeit zu erreichen.

Bugattis Ingenieure verbrachten jedoch über 65.000 Engineering-Stunden damit sicherzustellen, dass La Voiture Noire sich deutlich anders als ein Chiron anfühlt. Die Fahrwerksgeometrie, die Dämpfungsraten und die Lenkung wurden vollständig neu kalibriert. Das Ziel war, den ultimativen Grand Tourisme zu schaffen – ein Auto, das Kontinente mit unvorstellbaren Geschwindigkeiten in absoluter Stille und Komfort überqueren kann.

Der Innenraum: Havanna-Brown-Luxus

Da das Auto ein Einzelstück ist, hütete Bugatti die Details des Innenraums sorgfältig. Es ist jedoch bekannt, dass die Kabine vollständig in reichem Havanna-Braun-Leder ausgekleidet ist, gewählt um das Gefühl von vintage Luxusreisen zu beschwören. Das Design ist minimalistisch und vermeidet massive Touchscreens zugunsten wunderschön gefertigter Aluminium-Zifferblätter und -Schalter, die in fünfzig Jahren genauso elegant aussehen wie heute.

Das ultimative Statussymbol

Bugatti La Voiture Noire ist der Gipfel des modernen Karosseriebaus. Er stellt eine Rückkehr zu einer Ära dar, in der die wohlhabendsten Individuen der Welt einzigartige Karosserien für ihre Hochleistungs-Fahrwerke in Auftrag gaben.

Es ist eine Maschine, die traditionelle automobile Maßstäbe übersteigt. Ihr Wert ergibt sich nicht aus Rundenzeiten oder Nullhundert-Zahlen, sondern aus ihrer Einzigartigkeit, ihrer Handwerkskunst und ihrer Verbindung zur tiefsten Überlieferung der Bugatti-Marke. Wer auch immer der geheimnisvolle Besitzer von La Voiture Noire sein mag (Gerüchte haben lange Ferdinand Piëch oder Cristiano Ronaldo nahegelegt, obwohl Bugatti dies nie bestätigt hat), besitzt nicht nur einen Hypercar, sondern ein Stück Automobilgeschichte – den spirituellen Nachfolger des größten je verlorenen Autos.